Analoges Glück: In der Ruhe liegt die Kraft

Analogfotografie

Es mag eine reine Gefühlssache sein: Analogfotografie funktioniert anders

Meistens – zumindest beruflich – fotografiere ich digital. Das ist praktisch, denn schon beim Fotografieren sehe ich auf dem Display, was ich tue. Die Bilder sind sofort und ohne Umweg über ein Labor verfügbar, und ich kann sie nach Bearbeitung zuhause am Computer gleich online stellen oder an die Auftraggeber weiterreichen.

Und dennoch packt es mich immer wieder: Ich ziehe los mit einer Analogkamera von Anno dunnemals, im Gepäck Filmrollen für verschiedene Lichtsituationen, und habe einfach einen Riesenspaß damit.

Genau NICHT schnell sein, klick-klick-klick, NICHT, weil´s ja so einfach ist, Unmengen von Fotos machen, NICHT alles gleich vor mir haben in einer unbegrenzten Anzahl von Kopien und dabei doch nichts wirklich Greifbares in der Hand halten (fassen Sie mal ein Pixel an) …

In der Ruhe liegt die Kraft
Analogfotografie - Holga

Losgezogen mit einer Holga-Plastikkamera …

Analog fotografieren: Das bedeutet für mich Runterkommen.
Begrenzt sein – auf einem Film sind nicht beliebig viele Bilder.
Zeit nehmen – genau gucken, ums Motiv herumtanzen bis etwas entsteht, das vielleicht lohnt festgehalten zu werden; oder auch mal weitergehen, ohne abgedrückt zu haben. Weitersuchen. Bilder finden.

Sich auch von der Technik zum Langsam-Machen zwingen lassen: Vom Filmeinlegen übers Scharfstellen und die Belichtung alles per Hand, jedes Mal neu. Wenn der Film voll ist, aus der Kamera nehmen, vorsichtig lichtdicht wegpacken – lauter ungeborene Bilder …

Warten aufs Anfassen
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Manchmal scheint die Ruhe auch aufs Motiv auszustrahlen

Was ich nachhause bringe, sind Filme, bei denen die bange Frage “Ist was drauf?!” noch jedes Mal mitschwingt. Fotos, die eine eingebaute Warteschleife haben – abgeben im Labor, Zeit vergeht, wieder hingehen und abholen, neugierig oder vorsichtig einen ersten Blick auf die nicht immer vorhersehbaren Ergebnisse werfen …

Und es sind Fotos zum Anfassen. Echter entwickelter Film, jedes Mal einmalig: durchsichtige Zelluloidstreifen mit dem drauf, was ich gesehen und abgelichtet habe. Meist im Negativ, immer noch leicht “verschlüsselt” – für nicht so Geübte wie mich ist erst auf dem Kontaktbogen oder im Abzug zu erkennen, was ich getan habe.

Unbestechlich
Analogfotografie - Kontaktbogen

Erleichterung – auch wenn die Belichtung nicht wirklich sitzt: Da könnte was mit dabei sein!

Das ist gerade beim Kontaktbogen – also einem Papierabzug, auf dem man alle Bilder eines Films im Überblick sieht – eine ziemlich unbestechliche Sache. Da wird nicht einzeln ausgeglichen, bis ein einzelnes Bild “hübsch” aussieht, sondern alle werden gleich behandelt.
Und da tritt es unweigerlich zutage: Das eine Foto ist ganz hell, die nächsten drei sind ok, dann kommt ein ganz dunkles … Oh-oh, klarer Fall, beim Fotografieren mit der Belichtung geschlampt!

Erste Durchsicht, über den Kontaktbogen gebeugt: Das und das da geht ja gar nicht, schief und krumm, schön die Tomaten auf den Augen. Einmal hat offenbar der Verschluss geklemmt, komplett schwarz das Foto, na bravo. Und einige sind schlicht so gefühls- und inhaltsleer, dass sich denn doch die alte Frage stellt: “Was wollte mir die Fotografin da wohl sagen?!”
Aber da – ha, das könnte was sein, doch, das sieht richtig gut aus! Das da vielleicht auch, müsste man mal in etwas heller und in groß sehen, hoffentlich ist es scharf …

Was drauf! – Glücksgefühl
Analogfotografie - Mykonos-Pelikan

Guten Tag, Herr Pelikan! – Wer sagt, dass man analog keine Schnappschüsse machen kann?

Wenn das Gefühl dann auch beim zweiten Gucken am nächsten Tag noch bleibt: “Doch, es ist ‘was drauf’ auf dem Film. Zwei-drei Fotos gehen vielleicht, eines ist richtig gut”, dann passt das so,  ein oder mehrere gute Bilder pro Film sind finde ich eine gute Ausbeute.

Die Folge: Innerlicher Jubel – und der Drang, möglichst bald wieder mit Film und Kamera loszuziehen …

– Sollten Sie noch ein analoges Schätzchen ihr Eigen nennen: Kleinbildfilme (die in den Metalldöschen mit normalerweise 36 Aufnahmen) gibt´s in jedem Drogeriemarkt zu kaufen, da können Sie sie auch zur Entwicklung und für Abzüge abgeben; die größeren Mittelformat-Rollfilme finden Sie übers Internet.

Wie man mit analogen Kameras fotografiert und worauf Sie im Vergleich zur Digitalfotografie achten sollten – darum geht´s demnächst im zweiten Analogfotografie-Beitrag.

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