Foto-Ausstellung: “Mauerweg”

 

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“Sage mal, könntest du nicht im Café von unserem Bewohnertreff eine kleine Ausstellung machen – Thema ist ganz dir überlassen?” – Wer würde da “Nein!” sagen?!

Die Anfrage war schon vor Monaten gekommen. Prima Sache, dachte ich damals: Direkt neben dem Café hängen schon fünf von meinen großformatigen Fairy-Tales-Bildern, wäre doch schön, das mit weiteren Berlin-Motiven zu ergänzen. Also fing ich an zu wühlen – einige Tausende von Berlin-Fotos aus den vergangenen Jahren stapeln sich in meinem Archiv, da sollte sich doch eine schicke Auswahl treffen lassen. Möchte man meinen. Denn nach einigen Wochen Arbeit und Bergen kleiner Probeprints war klar: Mist, das wird völlig beliebig.
Klar, insgesamt freundlich sollte es wirken, wer will in einem Café schon mit einem komischen Gefühl unter zweideutigen Bildern sitzen. Aber je mehr ich meine Papierbildchen sortierte, gruppierte, versuchte zusammenzustellen, desto mehr wurde klar: Da fehlt der rote Faden, so wird das keine runde Sache.
Die Erleuchtung kam dann anlässlich des Mauerfall-Jubiläums: Mensch, na klar, ich bin doch seit Jahren mit Kamera auf dem Mauerweg unterwegs – das wär doch mal was!

Angefangen hatte ich das Projekt “Mauerweg” in Schwarz-Weiß mit einer Analog-DDR-Kamera Baujahr 1961; ich wollte dem Geruch, dem Empfinden dieser ganz speziellen ehemaligen Grenze mit Bildern auf die Spur kommen. Das wurde rasch zur Sucht. Der Weg selber, die Umgebung, die Geschichten, die damit zusammenhängen – ich startete an bekannten Punkten wie der Gedenkstätte Bernauer Straße, um mich dann immer weiter auch in die “unspektakulären” Bereiche vorzutasten.
Nach zweieinhalb Jahren war erst mal Schluss mit meinen Mauerweg-Spaziergängen. Das Thema rückte mir auf den Pelz, ich war zu tief eingestiegen, fing an seltsam zu träumen – Abstand bekommen zu dem, was sich an schlimmen Ereignissen von der Kriegs-Vorgeschichte über zerrissene Familien bis zum letzten Mauertoten da ballte, war angesagt. Erst Monate später machte ich wieder zögerliche Schritte auf dem Weg, nun mit meiner “ganz normalen” Digitalkamera in der Hand – meine Hoffnung war, dass mich das auch ein wenig vor allzu viel Geschichte schützen würde. Und langsam tastete ich mich wieder ran, konnte die Route durch die Stadt und nach und nach auch ums ehemalige Westberlin herum wieder genießen. Mit dem Blick auf das, was heute ist: Genau keine trennende Mauer mehr, sondern aus Schrecken und einer Wunde wird eine Narbe, und aus der ein langgezogener Garten, quer durch Berlin.

Mauerweg - Fotoausstellung im Bewohnertreff Kaffeeklatsch im PallasseumZehn meiner Mauerweg-Fotos bilden nun eine erste kleine Auswahl meiner Fundstücke und Lieblingsstellen. Mit dabei sind fast schon romantische Ansichten, viel Grün, viel Wasser steht neben zwei Bildern vom Potsdamer Platz und vom Checkpoint Charlie – sie sind Stellvertreter für das, was in jedem Reiseführer mit “Berliner Mauer” verbunden ist. Große Verblüffung gab es bei der Vernissage aber darüber, dass auch die anderen Fotos alle aus der Stadtmitte stammen: Sonnige Ufer-Terrassen gleich hinter dem Hauptbahnhof, Wege im Grünen kurz vor der Neuköllner Sonnenallee, graffitibedeckte Mauerreste hinter goldgelb blühenden Stauden im Nordbahnhof-Park …

Zur Ausstellung im Bewohnertreff Kaffeeklatsch gehört auch eine Mappe mit den Fundorten zu jedem Bild, ebenso liegen Bücher zum Mauerweg und zur Mauer und Karten bereit für alle, die selber ein wenig weiter stöbern möchten. Und klar: Am schönsten fände ich es, wenn der/die eine oder andere Lust bekommt, sich selbst auf den Weg zu machen und loszuziehen – um eigene Entdeckungen zu machen auf diesem wundervollen Weg durch Berlin.

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