Mit Schärfe spielen – Blende und Schärfentiefe

Portrait einer Riesenseifenblase vor Berliner Dom - f/2,8

Portrait einer Riesenseifenblase vor Berliner Dom – f/2,8

„Guck mal, da hat Evi ein echt cooles Bild von mir geschossen in unserem Rom-Urlaub – ich finde das klasse, vorne ich und da hinten der Petersdom gerade noch so als verwischte Kuppel erkennbar …“

Was Evi gemacht hat: Sie hat mit der Blende gespielt – die ist verantwortlich dafür, ob ein Teil des Bildes sich gut von einem unscharfen Vorder- und Hintergrund abhebt oder aber, genau das Gegenteil, eine Landschaft komplett von vorne bis hinten klar abgebildet wird.

 

 

 

Kamerafunktion einstellen: Programmwahl auf A bzw. Av
Mittlere Schärfentiefe

f/4 – Fotografin scharf, Blumen leicht unscharf

Um die Blende selbst einstellen zu können, heißt es “Weg von der Vollautomatik, hin zur Zeitautomatik”. Zeit?! Ja, denn die Kamera macht die Hälfte der Einstellungen für Sie: Sie stellen die Blende ein, die Kamera wählt die richtige Belichtungszeit automatisch mit dazu.

Also: Kamera auf die Einstellung “A” bzw. bei manchen Modellen “Av” stellen (für “Aperture” – Öffnung, Blende – bzw. “Aperture value” – Blendenvorwahl).
Jetzt können Sie loslegen!
Drehen Sie am Rädchen nahe dem Auslöser, verstellen Sie die Blende, und im Sucher bzw. auf dem Monitor wird eine sich verändernde Zahlen-Anzeige eingeblendet.

Das passiert in der Kamera bzw. im Objektiv: Dort schließen bzw. öffnen sich Lamellen, die dafür sorgen, dass das Licht durch ein mehr oder weniger großes rundes Loch auf den Film oder Sensor fallen kann.

Erkennbar ist die Blendeneinstellung an der Bezeichnung „f/“ und einer darauf folgenden Zahl – im Normalfall irgendetwas zwischen f/1,4 und f/32. Dabei verhalten sich die Zahlen umgekehrt zur Blendenöffnung: Eine niedrige Zahl (z.B. f/2,8) steht für eine offene (große) Blende, während f/32 eine geschlossene (kleine) Blende bezeichnet.

Offene Blende, gezielte Schärfentiefe

19? Gibt´s bei uns nicht! – f/2,8

Die Zahlenbezeichnungen sind historisch entstanden. Eine klassische Blendenreihe von offen zu geschlossen besteht aus folgenden Abstufungen – wobei es vom Objektiv abhängt, welche Werte es “beherrscht”:

1,4 – 2 – 2,8 – 4 – 5,6 – 8 – 11 – 16 – 22 – 32

Der Trick dabei: Je kleiner das Loch, desto mehr wird scharf, desto weiter erstreckt sich also der Schärfenbereich. Wäre das nicht der Idealfall? Einfach immer kleine Blende (z.B. f/22) einstellen und alles von vorne bis hinten schick? – Nein, es gibt durchaus Gründe, warum gewollte Unschärfe etwas Schönes ist!

 

Die Schärfentiefe
Geschlossene Blende, durchgehende Schärfentiefe

Bitte einmal komplett scharf: kleinste mögliche Blende für Landschaften

Mit der Blende nehme ich Einfluss auf die Bildgestaltung:

Ich möchte eine einzelne Blüte vor der verschwommenen Wiese scharf abbilden, ein Gesicht klar aus seiner Umgebung herausheben oder den Blick des Betrachters auf ein knackiges Detail innerhalb eines noch gerade so erkennbaren Umfelds lenken – dann nehme ich eine offene Blende mit geringer Blendenzahl.

Oder ich mache ein Foto von einem Straßenzug oder einer Landschaft und lege Wert darauf, dass möglichst alles darauf scharf ist – dann schließe ich die Blende.

Und natürlich kann ich mit allen Varianten zwischen diesen beiden Extremen spielen.

Blende und Belichtungszeit

Dazu kommt ein zweiter Punkt, nämlich die Belichtungszeit – kurz im Überblick, mehr dazu beim Stichpunkt “Zeitvorwahl“:

Wenn ich die Blende sehr weit schließe, fällt durch das kleine Loch nur wenig Licht in die Kamera. Daher dauert es länger, bis der Film oder Chip “satt” ist, also genügend Licht für eine korrekte Helligkeit aufgenommen hat. Bei einer offenen Blende brauche ich hingegen viel weniger Zeit.
Das heißt, ich kann auf zu wenig Licht (trübes Wetter, relativ dunkle Innenräume, Dämmerung, …) mit dem Öffnen der Blende reagieren.

Ein Beispiel: Wenn die Kamera bei Blende f/32 nach einer halben Sekunde Belichtungszeit verlangt, kann ich das nicht mehr aus der Hand (ohne Stativ) verwacklungsfrei halten. Dieselbe Situation kann ich aber mit Blende f/4 und 1/250 Sekunde wahrscheinlich gut einfangen – ich treffe also eine Entscheidung gegen eine durchgehende Schärfentiefe, aber für eine kurze Belichtungszeit.

P.s.: Ob es nun “Schärfentiefe” oder “Tiefenschärfe” heißt, darüber streiten sich die Gelehrten … Gemeint ist jeweils das Spiel mit der Ausdehnung des scharfen Bildbereichs – deswegen: Egal, wie Sie es nennen, viel Spaß bei der Gestaltung Ihrer Fotos!

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