Keine Scheu vor Fotonastik – Perspektive I

Perspektive

Manche Motive schreien einfach nach ein bisschen Einsatz …

Ein Bild gestalten, es aus verschiedenen Perspektiven aufnehmen und so herausfinden, welche für mich “die richtige” ist:
Das funktioniert nur, wenn ich ein Motiv umkreise, und das nicht nur von allen Seiten – sondern vor und zurück tanze, in die Hocke gehe, mich auf die Zehenspitzen stelle, mir vielleicht auch mal irgendetwas zum Draufklettern suche oder mich sogar bäuchlings ins Gras werfe.

Wer zuletzt lacht …
Kamera-Haltung

Spaß beim Nachmachen – na, solange alle fröhlich sind …

Von Menschen, die nur geradeaus im Stehen fotografieren, werden Sie für solche Slapstickeinlagen womöglich irgendetwas zwischen verschämtem Kichern und lautem Auflachen ernten. Und zugegeben: Fotos von solchen Aktionen gehören gerne mal in die berühmt-berüchtigte Entgleisten-Serie.
Aber andererseits hält Fotografieren auf diese Weise schön elastisch (nicht umsonst behaupte ich immer, meine Sportart sei “Fotonastik”). Und: Später beim Bilder-Betrachten lacht dann keiner mehr, weil die Ergebnisse eben anders sind als beim “Geradeaus-Fotografieren”.

Perspektivwechsel: Alltägliches auch mal anders sehen
Kamera-Haltung

Abseits der Sehenswürdigkeiten aus dem Reiseführer – Fundstück am Brandenburger Tor

Einer der Gründe, warum manche so mit Kamera herumturnen, ist schlichte Neugierde: Wie sieht es eigentlich aus, wenn meine Kaffeetasse nicht einfach auf dem Tisch steht, sondern ich mich quasi aus Ameisenperspektive ganz flach an sie heranpirsche? Oha, sie wird zum Monument – und der Kaffeelöffel zum Weg dorthin …

Oder was entdecke ich, wenn ich mich beim nächsten Stadtspaziergang mal auf Kleinkindgröße begebe? Sapperlot, hat der Mensch da drüben bunte Strümpfe an, die hätt ich ja von oben nie gesehen!

 

Perspektive - Kamera-Haltung

Das schafft nicht jeder: Manche verbiegen sich fürs erwünschte Motiv gekonnt zur Brezel

Manche fallen auf die Knie, andere gehen in elegante Skifahrerhaltung oder biegen sich zur Brezel, weil sie eine bestimmte Vorstellung davon haben, wie sie etwas abbilden möchten:

Kann ich unter den herabhängenden Ästen durchfotografieren und so einen schönen Rahmen für mein Bild schaffen?
Oder lässt sich das Urlaubsfeeling vielleicht besser einfangen, indem ich nicht nur die Menschen am Strand, sondern ganz viel vom Sand selber mit aufs Foto nehme?

Aug in Aug bei Mensch und Tier
Perspektive - Portrait

Gilt für Quietscheenten genauso wie für kleine Kinder: Immer schön so ungefähr auf Augenhöhe bleiben!

Eine wichtige Regel gibt es bei Portraitaufnahmen: Versuchen Sie immer, etwa auf Augenhöhe zu sein – und zwar egal, wie groß oder klein Ihr Motiv ist.
Kleinkinder schauen mit staunendem Blick in die Welt – wenn Sie sie aber von oben aus Erwachsenenperspektive aufnehmen (womöglich noch mit einem Weitwinkel-Objektiv), führt das rasch zu verzerrter “Shampoowerbung”: Viel Haare von oben, vielleicht noch ein angestrengtes nach-oben-Gucken, und irgendwo noch unwirklich kleine Füße – Ihr Motiv läuft in “Eistütenform” nach unten spitz zu, natürlich ist anders.
Also ab auf die Knie oder in die Hocke! Oder setzen Sie sich mit auf den Boden/in die Buddelkiste/auf die Wiese …

Fotonastik

Andere turnen an der Stange – kurze Fotografen auf Zehenspitzen an der Kamera …

Schwieriger wird es für kurze Menschen (ich gehöre dazu) manchmal bei einem großen Gegenüber: Fragen Sie mich nicht nach meinem Muskelkater nach einem Portraitshooting, bei dem die “Models” alle standen. Wer nach unten blickt, bekommt meist ein böses Doppelkinn, und das will kein Mensch – also bin ich gefühlte 300mal einen rasch herangeschafften Küchentritt hinauf- und hinuntergejoggt.

Perspektive - Portrait

Genauso niedrig wie Dackel: zwei Diven mit Kamm – aus der Hühnerperspektive aufgenommen

Dasselbe wie für kleine (oder auch sitzende) Menschen gilt auch für kleine Tiere: Beim Dackel-Wettrennen bleibt Ihnen nichts anderes übrig, als sich für rasante Bilder bäuchlings auf den Boden zu werfen – ich spreche da aus ganz realer Erfahrung. (Und erinnere mich mit Grinsen, dass ein Kollege mit demselben Fotoauftrag im Gras neben mir fast so empört geknurrt hat wie mancher Dackel.)

Neue Perspektive: Ausprobieren, herumspielen, entdecken
Kamera-Haltung

Ab in die Kuhle und ganz klein gemacht – glücklicherweise war es trocken

Im Normalfall werden Sie aber nicht wirklich “flach liegen”, keine Angst. Probieren Sie einfach herum, wie es Ihnen am besten passt. Mit aller gebotenen Vorsicht: Lieber dreimal umgucken, ob der Bootssteg hinter Ihnen beim Schritt zurück auch wirklich noch weiter geht!

Und von wegen “seltsame Posen”: Sie werden rasch merken, dass Ihnen das “Herumgeturne” gar nicht mehr auffällt und Sie ihre eigenen Lieblingsbewegungen ganz automatisch machen.
Ich sinke zum Beispiel gerne mal ohne viel nachzudenken aufs rechte Knie – bei Regen, Schnee, Matsch oder im Gras liegenden angegammelten Früchten manchmal keine so gute Idee (ein Hoch auf die Waschmaschine).

Kamera-Haltung

… und nach der auf-Augenhöhe-Gymnastik: entspannen nicht vergessen!

Aber auch, falls Sie mal Grasflecken auf der Jeans entdecken sollten oder am Tag nach einem längeren Fotoausflug ein bisschen ächzen:
Macht nichts, das Abenteuer Fotonastik und die etwas anderen Bilder sind es wert – nur Mut, und dann viel Spaß beim Ausprobieren, Spielen und Entdecken!

– Wie sich die Sache mit der Perspektive beim Fotografieren von Straßen, Gebäuden oder anderen großen Motiven auswirkt und welche Tricks Ihnen zu Fotos ohne “Seekrank-Faktor” verhelfen: Mehr dazu lesen Sie unter “Achtung, Gefahr durch stürzende Linien! – Perspektive II”.

Danke an Ute Schirmack – für die Erlaubnis, die (tatsächlich unbeabsichtigte) Foto-Brezel verwenden zu dürfen und für das hervorragende Doppel-Gymnastik-Foto!

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